Vererbbare Krankheiten
Patellaluxation
Ursachen
Häufigste Ursache einer Patellaluxation ist die angeborene Fehlstellung (Genu valgum, „X-Beine“) des Kniegelenkes. Dadurch, dass die Kniescheibe tendenziell zu weit außen sitzt, kann es zu der Verrenkung kommen. Eine Abflachung der Patella lateral (sogenannte Jägerhutpatella) fördert die Gefahr einer Luxation zusätzlich. Das passiert schon bei leichten Drehbewegungen beim Auftreten. Selbst bei normalem Gehen kann die Kniescheibe luxieren (habituelle Patellaluxation). Andere Ursachen bestehen hauptsächlich bei Krafteinwirkungen von außen, wie z. B. bei einem Unfall.
Wirkung
Bei der Patellaluxation werden in der Regel Blutgefäße verletzt, wobei es zu einem Bluterguss kommt. Häufig wird nach der Luxation auch eine Gewebeflüssigkeitsansammlung (Einblutung) im Kniegelenk festgestellt (Hämarthros). Das Kniegelenk muss dann eventuell durch den Arzt punktiert werden. Durch jede Luxation wird das innere (mediale) Kniescheibenband gedehnt, was zur Folge hat, dass es wiederholt und noch schneller zu einer weiteren Luxation kommen kann. Durch die Dehnung des Bandes hat die Kniescheibe keinen festen Sitz mehr in ihrer Position.
Behandlung
In jedem Fall muss – sofern dies nicht spontan geschehen ist – die Kniescheibe wieder eingerenkt werden. Wichtig ist eine zügige Reposition, um Schädigungen des Gelenkknorpels zu reduzieren. Die Reposition erfolgt unter gleichzeitigem Strecken des Knies und Druck der Kniescheibe nach innen (medial). Dabei spürt man ein deutliches Einschnappen. Der Patient bemerkt danach augenblicklich eine deutliche Schmerzlinderung. In der Regel werden Röntgenaufnahmen des Kniegelenkes und der Kniescheibe angefertigt, um knöcherne Verletzungen (Frakturen) auszuschließen. Zur weiteren Behandlung gibt es verschiedene Alternativen, deren Anwendung unter anderem von der Anzahl der Luxationen, den anatomischen Gegebenheiten der Patella, sowie dem Alter und Aktivitätsniveau des Patienten abhängen.Konservative Behandlung
- Gegebenenfalls Punktion des Kniegelenkes unter sterilen Bedingungen
- Bandage, Orthese oder Gipshülse (Gipstutor)
- Physiotherapie (Mobilisierung, Kräftigung des Vastus medialis musculi quadriceps)
- Rad fahren
Operative Behandlung
Bei der sogenannten rezidivierenden Patellaluxation gibt es verschiedene operative Maßnahmen, die dazu führen, dass die Patella nicht mehr luxieren und dabei den Knorpel schädigen kann. Angewendet werden zum Beispiel:
- die mediale Kapselstraffung (als alleiniger Eingriff oder zusammen mit einem sogenannten lateralen Release)
- OP nach Roux (Tuberositas tibiae wird nach medial distal versetzt)
- offene Verlagerung des Patellarsehnenansatzes mit Spongiosaplastik
- MPFL-Rekonstruktion (dabei wird mit einer Sehne aus Ober- oder Unterschenkel, das mediale patellofemorale Ligament, ein Halteband der Patella, rekonstruiert und meist mit einer Bioschraube (die sich von selbst auflöst) und zwei Häkchen fixiert; die Kniescheibe wird dadurch gehalten. Diese Operationsmethode wird bis jetzt nur an wenigen Kliniken in Deutschland durchgeführt)
- Trochleaplastik (Ist das Gleitlager dysplastisch, d.h. zu flach ausgeprägt, begünstigt dies Luxationen; bei dieser OP-Methode formt man operativ ein neues Gleitlager)









